Der Trick mit den Zerobonds

 

Der Trick mit den Zerobonds

Feuerspucker

Der Zerobond (Nullkuponanleihe) ist eine Schuldverschreibung, für die während der Laufzeit keine Zinsen ausgeschüttet werden. Aus diesem Grunde werden diese Papiere unter pari emittiert und während der Laufzeit mit entsprechendem Abschlag gehandelt. Nach Beendigung der Laufzeit werden sie zum Nennwert eingelöst. Diese Innovation auf dem Finanzmarkt ist für den Laien nicht sofort verständlich. Die Finanzbetrüger verstehen es daher, diese Unwissenheit gekonnt auszunützen:
1.
Sie sprechen davon, dass für die „Bankabsicherung des Kapitals“ der Nennwert von Zerobond haftet, verschweigen jedoch, dass der aktuelle Marktwert oft erheblich unter dem Nennwert liegt. Das heißt, dass das Kapital nur z. B. zu 35% besichert ist;
2.
Sie sprechen davon, dass ein Zerobond während seiner Laufzeit soviel erwirtschaftet, dass dadurch das Kreditkapital nach Beendigung der Laufzeit zurückbezahlt werden kann. Dieses Modell ist völlig realitätsfremd.
„Collateral Funding Exchange“

Jahrelang war der „Collateral Funding Exchange“ (Pseudo-Fachausdruck), also der Tausch von Kapital gegen Bankgarantien, ein von großen Finanzbetrügern praktiziertes Betrugsmodell. Die Repräsentanten eines „Trusts“, der angeblich ein Milliardenvermögen verwaltete, boten dieses Finanzgeschäft Unternehmern an, die auf der Suche nach riesigen Krediten waren. Die Finanzbetrüger behauptete, dass der Trust Kapital in der Höhe von 100-500 Millionen USD Zug um Zug gegen erstklassige Bankgarantien zu tauschen bereit ist. Bei dieser Transaktion sei ein sehr hoher Gewinn in kürzester Zeit zu erwarten. Der Trust sei nämlich in der Lage, die Bankgarantien in Form von promissory notes zum Nennwert (100%) einzustellen. Da diese promissory notes laut Darstellung der Finanzbetrüger zu einem erheblich unter dem Nennwert liegenden Kurs abgegeben werden, sei ein hoher Gewinn zu erwarten. Der Gewinn sollte vereinbarungsgemäß zwischen den Repräsentanten des Trusts, der Bank, die die Schuldpapiere ausstellt, und dem ursprünglichen Kreditwerber zu je einem Drittel aufgeteilt werden .Es liegt auf der Hand, dass durch dieses Finanzmodell Geldwäsche suggeriert werden sollte. Dieses angeblich durchführbare und profitable Geschäft wurde Unternehmern angeboten, die auf der Suche nach Milliardenkrediten auf einen „finder“ gestoßen waren. Dieser „finder“ ging nach einer psychologisch gut aufgebauten Strategie vor: zuerst wurde der Kreditwerber dahingehend hinterfragt, ob er noch über genügend Geldmittel verfügt. Dann wurde er zu einem genau festgelegten Zeitpunkt in ein Luxushotel zu einem Meeting des Trusts bestellt. Auf eine Änderung des Termins ließen sich die Betrüger keinesfalls ein, schließlich waren sie es, die von Anfang an den Ton angeben sollten. Bei dem Meeting wurden die vorgelegten Unterlagen von den Trust-Mitgliedern begutachtet und anschließend das System des „Fundig Collateral Exchange“ erklärt. Zur Unterzeichnung des umfangreichen Vertrages waren ein krimineller Notar und ein Komplize der Finanzbetrüger anwesend. Laut Kontrakt war als Vorbedingung für das Geschäft die Bezahlung einer „rückzahlbaren Kaution“ in der Höhe von 0,5 bis 1 Promille der Vertragssumme gefordert. Unter anderem enthielt der Vertrag die üblichen Geheimhaltungsbestimmungen, wonach die Vertragspartner niemandem etwas über das Geschäft offenbaren durften, denn sonst drohte eine Konventionalstrafe. Aus angeblichen Geheimhaltungsgründen wurde in einigen Fällen nicht einmal ein Vertragsexemplar ausgehändigt. Der ursprüngliche Kreditwerber überwies die geforderte Kaution auf ein Notar-Unterkonto. Dann machte er sich auf die Suche nach einer erstklassigen Bank, die zur hypothetischen Zusage einer Bankgarantie (hunderte Millionen USD) bereit wäre. Alle kontaktierten Banken lehnten ein derartiges Ansinnen kategorisch ab. Er wusste zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass der Herr Notar schon längst die Kaution unter seine Komplizen aufgeteilt hat. Das versprochene Geschäft stellte sich schließlich als undurchführbar heraus. Der Betrogene versuchte sich zuerst an den Notar zu wenden. Die Schwierigkeit bestand darin, diesen Herrn überhaupt zu erreichen, da er pausenlos zwischen Genf, London, Monaco und Wien pendelte, um Verträge mit neuen Opfern abzuschließen. Schließlich erklärte der Notar, dass er nur für die Vertragserrichtung zuständig sei. Er verwies den Beschwerdeführer an den geschäftsführenden Direktor des Trusts. Bei dieser Gelegenheit zeigte sich der Notar auch sehr verwundert: Er meinte, dass es sich bei den Vertragspartnern um sehr angesehene Finanzfachleute handle. Der Direktor des Trusts reagierte vorerst mit Ausreden und Hinhaltetaktik, später mit der „counter attack“. Eine Gruppe von Finanzbetrügern aus den USA, England und Deutschland arbeitete jahrelang mit diesem Trick, bis endlich ein geschädigter Schweizer Ende 1989 die Anzeige erstattete. Ein Täter, nämlich ein Notar aus Schottland, konnte daraufhin in Genf verhaftet werden. Er befand sich in Lausanne fast ein Jahr in Untersuchungshaft. Der Gesamtschaden der Tätergruppe überstieg 30 Millionen USD.

Staatsfinanzierungen

Internationale Finanzbetrüger wissen beispielsweise ganz genau, dass sie durchwegs mit keiner Strafanzeige zu rechnen haben, wenn eines ihrer Opfer sehr prominent ist: Eine Nationalbank, eine Großstadt, eine Fluggesellschaft. Die Rede ist hier von Institutionen ehemaliger Ostblockstaaten. Den Betrügern sind, wie man sieht, keine Grenzen gesetzt. Ihre Opfer können es sich aus Prestigegründen nicht leisten, Gegenstand von Presseberichterstattungen zu sein. Im März 1995 ließ sich ein „Internationaler“ mit Gefolge von einer Bank einer Republik in Zentralasien einladen. Für Flug (First Class) und entsprechende Hotelunterkunft samt Besichtigungsprogramm war gesorgt. In seinem Gepäck führte der „Financier“ einen umfangreichen Vertrag mit, der die Gewährung eines Kredites von 25 Millionen USD gegen Aval der betreffenden Nationalbank beinhaltete. Als Kreditgeber war eine Briefkastenfirma in der Karibik vorgesehen. Im gegenständlichen Fall war die Bank „nur“ durch die entstandenen Spesen geschädigt. Der Verlust durch eine vertragsgemäß fällige Provision wäre weit höher gewesen. Der Fall hätte für den betreffenden Staat verhängnisvoll ausgehen können, wenn die „Internationalen“ in den Besitz der Wechsel gekommen wären.