Die vorgetäuschte Geldwäsche

Gedeckte Tafel im Grünen

Die vorgetäuschte Geldwäsche (Vermittlungsbetrug)

Einem Geschäftsmann in finanziellen Schwierigkeiten wird von Betrügern das im Folgenden beschriebene Geschäft vorgeschlagen. Der Unternehmer könne in wenigen Tagen Unsummen verdienen, wenn er sein Geschäftskonto für einen Devisentransfer zur Verfügung stelle. Die Überweisung von zweistelligen Millionenbeträgen in USD, EUR oder SFR wird in Aussicht gestellt. Dieses Kapital soll dann in eine andere Währung getauscht und in Teilbeträgen an verschiedene Konten in das Ausland transferiert werden. Es liegt auf der Hand, dass diese Transaktion auch für die betreffende Bank ein gutes Geschäft bedeuten würde. Die Täter kündigen bei der Bank durch ein fingiertes Voraviso den Devisentransfer an. Der zukünftig Geschädigte wird von der Bank mit der frohen Botschaft überrascht und überweist vereinbarungsgemäß eine Provision. Das versprochene Devisengeschäft findet nie statt. Dieser Trick wird auf ähnliche Weise weltweit von nigerianischen Betrügern tagtäglich in Tausend Fällen versucht. Wer kennt nicht die Briefe, die, handgeschrieben oder mit der Schreibmaschine getippt, völlig unerwartet bei Unternehmern auftauchen? In diesen Briefen ist immer wieder die Rede davon, dass für den Transfer von Dollarbeträgen in zweistelliger Millionenhöhe  Geschäftskonten im Ausland gesucht werden. Die Riesensummen in Nigeria würden aus alten Lieferungen von Maschinen, Computern, Flughafenausrüstungen etc. resultieren, wobei immer angeführt wird, dass die Central Bank of Nigeria vor kurzem den Devisentransfer freigegeben habe. Die nigerianischen Betrüger führen immer wieder andere Vorwände für den gewünschten Geldtransfer an. Einmal geht es um Bestechungsgelder, dann wider um ersparte Summen für die Pension etc. Die Schreiber der Briefe stellen sich als hohe Beamte im Erdöl-oder Luftfahrtsministerium vor. Immer wieder ist von Beziehungen zur Nigerianischen Zentralbank oder zur staatlichen Erdölgesellschaft die Rede. Der Verfasser des Briefes, der sich gerne mit dem Titel „Prince“ oder „Chief“ schmückt, stellt für diese „Gefälligkeit“ (gemeint ist die Benützung des Kontos) eine Provision von ca. 30 % des Kapitals in Aussicht. Gleichzeitig fordert er Blanko-Geschäftspapiere und Rechnungen in zehnfacher Ausfertigung, ordnungsgemäß gestempelt und unterschrieben. Außerdem möge die Bankverbindung inklusive Kontonummer, Telex, Fax- und Telefonnummern und der Name des für die Kontoführung zuständigen Abteilungsleiters der Bank bekannt gegeben werden. Immer wieder lassen sich Personen auf derartige Angebote ein. Nach kurzer Zeit kommt die Antwort aus Nigeria. Darin wird um die Überweisung von Geld für die angebliche Bezahlung von Steuern, Gebühren etc. oder zur Zahlung von Bestechungsgeldern gefordert. Manchmal wird um eine schriftliche Einladung für mehrere  Nigerianer ersucht, so dass diese bei der betreffenden Botschaft in Lagos ein Einreisevisum beantragen können. Es versteht sich, dass auch für die Bezahlung von First-class-Flugtickets und für Reisespesen gesorgt werden muss. In der letzten Zeit werden auch Einladungen nach Nigeria ausgesprochen. An Geschenken sind Uhren, Anzüge, Computer und hohe Dollarbeträge mitzubringen. In diesem Land mit herrschender Anarchie ist das Opfer total ausgeliefert. Die Presse berichtete von Europäern, die von Lagos aus ihre Hausbanken zur Überweisung hoher Beträge veranlassten: diese sollten angeblich für weitere Bestechungen und Provisionen verwendet werden. Das umgekehrte Szenario spielt sich so ab: Die nigerianischen Betrüger kommen nach Europa, quartieren sich in ein Luxushotel ein, lassen sich beschenken und neu einkleiden. Für ihren tagelangen Besuch wünschen sie eine Limousine mit Chauffeur. Während ihres kostspieligen Aufenthaltes trifft ein Voraviso der Central Bank of Nigeria bei der Hausbank des Geschädigten ein. Der Transfer der Millionen in den nächsten acht Banktagen wird angekündigt. In manchen Voravisos wird eine Kaution von 0,5-1% des zu transferierenden Betrages für mögliche Wechselkursschwankungen gefordert. Das Telex der Central Bank of Nigeria stellt sich bei einer entsprechenden Rückfrage als Fälschung heraus. Der Nigeria-Betrug fordert weltweit seine Opfer. In England beträgt die Schadenssumme laut eingebrachter Anzeigen mehr als 100 Millionen Pfund. In Deutschland vertritt eine Interessengemeinschaft von 50 Geschädigten Forderungen von insgesamt 23 Millionen USD. Erfahrungsgemäß gestaltet sich die Zusammenarbeit mit den nigerianischen Behörden als schwierig. Immer wieder taucht das Gerücht auf, dass der Betrügernachwuchs in Nigeria in eigenen Schulen ausgebildet werde. Die Schweizerische Botschaft in Lagos gab am 30. Dezember 1993 ein umfangreiches Warnschreiben für ihre Landsleute heraus.

Die vorgetäuschte Arbitrage: Devisen, Gold, Wertpapiere etc.

Unter Arbitrage versteht man ein risikoarmes Geschäft, das die Preisdifferenzen verschiedener Märkte auszunützen versteht. Im Zeitalter der Telekommunikation sind Arbitragegeschäfte nur mehr in entsprechenden Größenordnungen denkbar, da, wenn überhaupt, nur winzige Preisdifferenzen gegeben sind. Gegenstand von Arbitragegeschäften können Waren, Devisen und Zinsen sein. Der Betrüger versteht es, ein entsprechend günstiges Angebot vorzutäuschen, wie einen zinsgünstigen Kredit, Gold oder Erdöl unter dem Weltmarktpreis.

Finanzbetrüger der unteren Stufe überhäufen seit Jahren zahllose Vermittler mit eigenartigen Angeboten: Enorme Beträge, z. B. 500 Millionen USD, sollen wöchentlich „revolvierend“ in „Tranchen“ gegen andere Währungen getauscht werden. Die per Fax übermittelten Verträge enthalten bereits namentlich den Verkäufer der Devisen. Es ist unverkennbar, dass die unter dem offiziellen Devisenkurs angebotenen Dollars, Yen, Kuwait Dinars, Rubel etc. überhaupt nicht existent sind. Es handelt sich daher um reine Luftgeschäfte, so genannte „ghost money operations“. Das oben Erwähnte gilt auch für andere angeblich gewinnbringende Geschäfte mit Zucker, Zement, Gold, Urea (Düngemittel), Stahl, Marlboro-Zigaretten, um nur einige zu nennen. Aufgrund der großen Nachfrage erfreuen sich derzeit fingierte Geschäfte mit Zucker großer Beliebtheit.

Insbesondere der Handel mit völlig wertlosen Goldzertifikaten, der über längere Zeit aus den Angeboten verschwunden war, feiert heute sein Comeback.. So wird behauptet, dass in einem Lagerhaus in Mexiko Tausende Tonnen Gold lagern. Den Interessenten an dem scheinbar sicheren Geschäft werden umfangreiche Unterlagen vorgelegt. Dadurch soll das Besitzrecht in Form von „Goldzertifikaten“ bewiesen werden. In anderen Angeboten ist die Rede vom Sultan von Brunei, vom philippinischen Staatspräsidenten oder dem Präsidenten eines GUS-Staates. Um den Weltmarktpreis nicht zu erschüttern, werde, so behaupten die Betrüger, das Gold nicht auf dem offiziellen Markt angeboten. Aus diesem Grunde werden private Mittelsmänner gesucht. Die nigerianischen Betrüger entwickelten einen fast perfekten Trick: den fiktiven Ölhandel: Es können sich daran Investoren beteiligen, die bereit sind, eine Provision von ca. USD 50.000,00 im Voraus zu bezahlen. Die in Aussicht gestellten Gewinne lassen die geforderte Provision als bescheiden erscheinen. Die Angebote betreffen Erdöl höchster Qualität, das bereits auf einem Schiff unterwegs sein soll. Entsprechende Lade-, Fracht- und Versicherungspapiere werden ebenso vorgelegt wie Qualitätszeugnisse etc.

Das Öl wird weit unter dem Weltmarktpreis angeboten, was damit begründet wird, dass es sich um ein privates Kontingent des nigerianischen Präsidenten oder seiner Familie handle. Die Wahrheit sieht jedoch anders aus: Die gesamte Dokumentation ist gefälscht.

Zu diesen Luftgeschäften („ghost money operations“) gehören auch Angebote von Certificates of Deposit, Promissory Notes und anderen Schuldpapieren von angeblich erstklassigen Banken. Diese Papiere werden zu unrealistisch niedrigen Diskontpreisen angeboten.

Es geht den Betrügern (bei allen oben angeführten Geschäftsangeboten) nur darum, dem Geschädigten eine im Voraus fällige Provision, Gebühr, Kaution etc. herauszulocken.