Anlagebetrug

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Anlagebetrug: Vorgetauschter Handel mit Bankgarantien

Seit ca. fünf Jahren entwickelt sich, ausgehend von den USA, ein gefährliches Betrugsmodell, bei dem sich die Täter nicht mehr ausschließlich (wie beim Vermittlungsbetrug) mit einer Provision begnügen.

Der Geschädigte wird vielmehr zu einem direkten Geschäft mit einer Mindestbeteiligung von USD 100.000,00 veranlasst. Bei diesem vorgetäuschten Geschäft handelt es sich um die Beteiligung am Handel mit Bankgarantien. Diese Transaktion kann nach Darstellung der Finanzbetrüger nur mit einem Kapitaleinsatz von 10 Millionen USD gemacht werden. Die Kriminellen zeigen sich jedoch von ihrer großzügigen Seite: Investitionen ab 100.000 USD werden in einem Pool gesammelt, bis der geforderte Mindestbetrag erreicht sei.

Dieser Finanzbetrug im Zusammenhang mit

1.

„Prime Bank Standby Letter of Credit (PBSLC)“,
2.
„Prime Bank Promissory Notes (PBPN)”,

3.

„Prime Bank Guarantees (PBG)”


forderte weltweit bereits Milliardenverluste für die Investoren. Zusammen mit dem Vermittlungsbetrug dürften allein in Deutschland Schäden entstanden sein, die die Milliardengrenze bereits überschritten haben. Dies beweisen allein die seit Jahren erscheinenden Zeitungsanzeigen und die wöchentlich – trotz hoher Dunkelziffer – bekannt gewordenen Schäden.
Der „Gerlach-Report“ veröffentlicht seit Jahren Listen derartiger Anbieter („Bankgarantiehandel“).
Im Folgenden wird dieser Betrugstypus, der in englischer Sprache als „Prime Bank Instruments Fraud“ bezeichnet wird, so dargestellt: Die Prämisse, auf der das gesamte Lügengebäude aufgebaut ist, besagt, dass große US-Banken zu Refinanzierung ihres Finanzbedarfes so genannte Standby Letter of Credit (SLC) in Stückelungen zu 10 Millionen USD an Finanzhäuser abgeben. Von dort werden nach Tagen diese begehrten Papiere mit entsprechendem Aufschlag an institutionelle Anleger wie Pensionskassen, Versicherungen etc., weiterverkauft. Ein Direktgeschäft zwischen Bank und institutionellem Anleger sei aufgrund der Gesetzeslage verboten. Der Zugang zu diesem profitablen Markt und risikolosen Geschäft sei nur „Eingeweihten“ vorbehalten.
Dieser beschriebene Handel ist ebenso wenig existent wie der verwendete Pseudo-Fachausdruck „Prime Bank“.
Dieses Luftschloss wird in verschiedenen „Informationsbriefen“ beschrieben. Darin verschweigen die Finanzbetrüger den Verfasser oder sie nennen einen offensichtlich fingierten Herausgeber. Beispielsweise ist der 4seitige „Euro Money Letter“ von einem nicht Eruierbahren „offshore Investment Club, St. Helier, Jersey“ herausgegeben. Dieses Machwerk fand eine überaus große Verbreitung. Es stellt die perfekte Desinformation dar. Wahrheit, Unwahrheiten, falsche Zitate, unterschwellige Behauptungen, Verschweigungen. Die Finanzbetrüger benützten auch eine Kopie einer Anlegerschutzzeitung aus dem Jahre 1992. Darin war u. a. die Rede davon, dass Anleger beim Handel mit Bankgarantien jährlich 25% (und mehr) verdienen können. Die Schlussfolgerung liegt nahe, dass offensichtlich sogar eine Anlegerschutzzeitung das Opfer einer gezielten Desinformation werden kann.

Der in den USA gebräuchliche Standby Letter of Credit ist mit unserer Bankgarantie vergleichbar.

Eine Bankgarantie dient immer zur Absicherung von verschiedenen Geschäften, z. B. dafür, dass eine von der Schweiz gelieferte Turbinenanlage in Brasilien ordnungsgemäß aufgestellt wird und auch tatsächlich funktioniert. Ein Standby Letter of Credit einer US-Bank kann auch als Kreditbürgschaft dienen, wenn z. B. eine US-Firmentochter bei einer Bank in Deutschland einen hohen Kredit beantragt. Eine Bankgarantie wird erfahrungsgemäß nur in ca. 2% aller Fälle überhaupt in Anspruch genommen. Aufgrund der geltenden Bestimmungen der Internationalen Handelskammer in Paris ist die Bankgarantie nicht übertragbar.

Das Commercial Crime Bureau in London, eine Institution der Internationalen Handelskammer, hat wiederholt in ihren Warnungen zum Ausdruck gebracht, dass eine Bankgarantie nie Gegenstand eines legitimen Handels sein kann.

Derartige Geschäfte sind in der Fachliteratur und der Bankenwelt nicht bekannt.

Zwei Arten von Finanzgeschäften basieren auf dem vorgetäuschten Handel mit Bankgarantien:

1.

Die sichere Kapitalanlage mit jährlichen Profiten von 150% und darüber,

2.

Der „Depositenkredit“ mit Eigenkapitalerfordernis.

Das Angebot mit der Bezeichnung „Depositenkredit“ (Pseudo-Fachausdruck) stellt eine Sonderform des Kredit-Vermittlungsbetruges dar. Laut Argumentation der Betrüger handelt es sich dabei um eine dem Bausparkredit ähnliche Konstruktion. Der Kredit setzt nämlich voraus, dass 10-30 % Eigenmittel auf die Dauer von 30-180 Tagen einbezahlt werden. Nach Ablauf dieser Zeit sei die Überweisung der Eigenmittel samt dem Kredit auf das Konto des Kunden vorgesehen. Der Kredit hat natürlich weder eine Bonitätsprüfung noch die Tilgung als Voraussetzung; nur die Zinsen müssen jährlich überwiesen werden.

Dieser, an Phantasie grenzende Kredit wird nach Darstellung der Finanzbetrüger durch den Handel mit Bankgarantien erwirtschaftet. Es erübrigt sich zu sagen, dass der Kreditwerber die einbezahlten Eigenmittel ganz verliert.

Wir kehren nun zurück zum eigentlichen Thema. Gerade in der heutigen Niedrigzinsphase sind viele Investoren bestrebt, ihr Kapital so ertragbringend wie nur möglich anzulegen. Die von den Banken für Festgeld gebotenen Zinsen erscheinen manchen als zu wenig attraktiv. Die psychologisch gut aufgebauten Argumente der Betrüger fallen daher, wie kann es auch anders sein, auf fruchtbaren Boden. Aus diesen Gründen erscheint der Handel mit den Bankgarantien im fernen Amerika als plausibel.

Entschließt sich der Anleger zu diesem Geschäft, so muss er in vielen Fällen erst einmal einen Kapitalnachweis von seiner Hausbank erbringen. Daraufhin erfolgt die Unterzeichnung eines umfangreichen Vertrages in englischer Sprache. In dem Vertrag ist bereits eine „Quellenschutz-Erklärung“ oder „Datenschutzvereinbarung“ eingebaut. Für die eigentliche Einzahlung des Anlagekapitals wählen die Finanzbetrüger meist eine kleinere Bank im benachbarten Ausland. Die Betrüger stellen dieser Bank gleich mehrere derartige Geschäfte in Aussicht. Die betreffende Bank erhofft sich dadurch natürlich ein gutes Geschäft und denkt nicht daran, dass die zur Unterschrift vorgelegten Erklärungen, wie „Conditional S.W.I.F.T. Wire“, juristische Fußangeln enthalten. In diesen vorformulierten Erklärungen findet sich u. a. auch der Hinweis, dass das zum Transfer ins Ausland bestimmte Kapital für den Handel mit Bankgarantien bestimmt ist.

Es wird sich in der Zukunft zeigen, ob den betreffenden Banken dadurch eine Schadenersatzpflicht erwächst. Jedenfalls kann man die Meinung vertreten, dass sich diese Bank ohne Absicht in fremde Finanzgeschäfte involvieren ließ. Der Bankbeamte, der die Unterschrift unter ein derartiges Papier setzt, fällt derselben menschlichen Schwäche zum Opfer wie der eigentlich Geschädigte: Er will nicht zugeben, dass er von diesem Geschäft nichts versteht.

Sicherlich bewirken diese von den Banken gezeichneten Erklärungen, wie z. B. die „Konditionierte Anstellung des Anlagekapitals“, beim später Geschädigten den Eindruck, dass es sich um ein durchführbares Finanzgeschäft handle.

Vielfach sicherten sich die Betrüger eine unbeschränkte Zeichnungsberechtigung für das vom Investor errichtete Bankkonto. Der Anleger lieferte sich auf diese Weise den Betrügern völlig aus.

Ist das in Bargeld oder durch Überweisung eingezahlte Anlagekapital einmal ins Ausland, etwa auf das Konto eines Treuhänders, transferiert worden, so hat der Investor keinerlei Verfügungsgewalt mehr.

Das Kapital wird, wie es die Praxis zeigt, über mehrere Banken in Ländern mit strengem Bankgeheimnis  gewaschen, um nach wenigen Tagen unter den Tätern nach einem bestimmten Schlüssel aufgeteilt zu werden.

In einigen Fällen gingen die Täter so vor, dass sie den später Geschädigten mit einer Anlage von mehreren Hunderttausenden USD scheinbar profitieren ließen, um ihn daraufhin zur Investition von Millionenbeträgen zu überreden.

Besonders misstrauischen Investoren boten die Finanzbetrüger zur Absicherung ein Standby Letter of Credit einer Bank zu etwa 112% des Anlagekapitals an. Der gebotene Standby Letter of Credit stellte sich als wertlos oder als Fälschung heraus.

In mehreren Fällen boten die Finanzbetrüger als Sicherheit Zerobonds an, wobei zur Verschleierung immer das Nominale (100%) und nicht der Kurswert (ca. 15%) angegeben wurde.

Das eingesetzte Kapital und die in Aussicht gestellten Gewinne werden natürlich nie angewiesen.

Der Geschädigte wird monatelang mit entsprechenden Versprechungen und Ausreden hingehalten, bis ihm schließlich jedoch bewusst wird, dass er Betrügern aufgesessen sein könnte. Oft greift das Opfer zur Selbsthilfe und macht den Fehler, sich auf die Suche nach den Tätern und dem verschwundenen Geld zu machen.

Nicht selten drohen die in die Enge getriebenen Verbrecher mit einer Anzeige beim Finanzamt.

Wir haben es hier mit einer Form der international organisierten Kriminalität zu tun.

Einem Opfer stehen mindestens 10 Kriminelle gegenüber, die arbeitsteilig agieren:

1.

Der „Finder“ hat die Aufgabe, das zukünftige Opfer zu finden, um es an die Großbetrüger weiterzuleiten.

2.

Der „Frontman“ zeigt sich nach außen hin für das Geschäft verantwortlich.

3.

Der „Verhandler“ ist ein Krimineller mit überzeugenden Argumenten und selbstsicheren    Auftreten.

4.

Der „Organisator“ hält sich ebenso im Hintergrund wie der „Consultant“, ein dubioser Rechtsberater, der die Verträge ausarbeitet und die Finanzbetrüger bei eventuell auftretenden Pannen berät.

5.

Der „Treuhänder“ ist oft ein krimineller Rechtsanwalt bzw. Notar.

6.

Der „runner“ oder „gofer“ (Laufbursche) hat untergeordnete Tätigkeiten zu erfüllen.

Neben größeren Investoren zählen auch viele Kleinanleger zu den Geschädigten. Sie werden von dubiosen Anlageberatern zu einem lukrativ erscheinenden Anlageprogramm überredet. In vielen Fällen werden jedoch diese Provisionsvermittler, insbesondere wenn sie das Spiel nicht durchschauen, selbst zu Geschädigten. Ihre Forderungen nach Ersatz der angefallenen Kosten und nach Überweisung der versprochenen Provision bleiben oft unerfüllt.

Der „Gerlach-Report“ berichtete 1994, dass in Berlin sogar mehrere Vertreter eines bekannten Strukturvertriebes Investoren zur Beteiligung am Bankgarantiehandel warben. Nach dem Bekannt werden von Millionenschäden wird nun darüber diskutiert, ob nicht der Stukturvertrieb eventuell haftbar gemacht werden kann. In einem unlängst erschienenen Buch über die Finanzdienstleistungsbranche und Banken wird die Behauptung aufgestellt, dass es einen Markt „echter Bankgarantien“ gäbe. Dieser Meinung will sich der Autor des vorliegenden Buches aus gegebenen Gründen nicht anschließen. Das Commercial Crime Bureau in London, eine Tochterorganisation der internationalen Handelskammer in Paris, richtet seit dem Frühjahr 1993 entsprechende Warnungen an seine Mitglieder. In Großbritannien gab es 1993 ein weltweit bekanntes Opfer: die Heilsarmee. Der Finanzverwalter dieser weltbekannten Wohlfahrtsorganisation ließ sich von internationalen Betrügern überzeugen, dass er mit einer Beteiligung am Handel mit Bankgarantie das Vermögen der Heilsarmee um 2% pro Woche vermehren könne. Trotz entsprechender Warnungen aus der Londoner City überwies der Verwalter über 8 Millionen USD. Es steht nun fest, dass die bisher in diesem Zusammenhang verhafteten Personen zum Teil auch noch für weitere Fälle von Großbetrug verantwortlich gemacht werden können. Einige der Festgenommenen sind der organisierten Kriminalität in den USA zuzurechnen. Die international durchgeführten Ermittlungen mehrerer Polizeibehörden förderten auch einen Teil des erbeuteten Geldes zutage. So konnte z. B. eine Luxusvilla in Kalifornien beschlagnahmt werden. Ähnliche Fälle von Millionenbetrug im Zusammenhang mit dem Handel mit Bankgarantien wurden zunehmend mehr bekannt. Beispielsweise berichtete der britische „Observer“ am 21. Februar 1993, dass auch eine Bank in Südosteuropa mit einem Verlust von 8 Millionen USD zu den weltweit bekannt gewordenen Opfern zählte. Insider wissen sogar zu berichten, dass die Stadt Moskau im Jahre 1991 durch die Beteiligung am Bankgarantiehandel in New York 4,5 Millionen USD einbüßte. Ein Pensionsfond in Chicago erlitt Mitte 1993 einen Schaden von 12 Millionen USD. Der Bürgermeister einer kleinen Stadt in Deutschland setzte öffentliche Gelder in der Höhe von 20 Millionen EUR aufs Spiel. Ende 1993 schlugen folgende US-Behörden Alarm:
1.
Board of Governors of the Federal Reserve System, Washington D. C.,
2.
Controller of the Currency, Washington D. C.,
3.
U. S. Securities and Exchange Commission, Washington D. C.

Im März 1994 erfolgte von der Bank of England eine Warnung an alle ihre Mitgliedsbanken.

Der Geldwechselbetrug (vorgetäuschter Valutenhandel)

In keinem Kapitel der Finanzkriminalität werden die Gier und die Dummheit von Steuerhinterziehern so offenkundig wie beim vorgetäuschten Valutenhandel. Beispielsweise bieten international organisierte Banden italienische Lira an, die von der Mafia oder aus unversteuerten Erbschaften etc. stammen sollen. Der Einsatz in diesem Geschäft beträgt mindestens eine halbe Million EUR in bar. Die Täter fordern den Austausch der Geldkoffer in einem Hotel oder in einer Bank. Die Lira wird zu einem Kurs angeboten, der wesentlich unter dem offiziellen Ankaufskurs der Banken liegt. Sämtliche Personen, die sich auf einen solchen Handel eingelassen haben, erlitten jedenfalls Totalverluste. Entweder vertauschten die Täter ihren Geldkoffer nach Prüfung der Geldscheine, oder der Geschädigte stellt nachträglich fest, dass nur die obersten Banknotenbündel echt sind. Es kam auch schon vor, dass der Geldkoffer ganz einfach gestohlen wurde.