Die Rolle der Banken

Die Rolle der Banken

Die Banken sehen sich heute neben dem üblichen Geschäftsrisiko, dem internen und externen Bankbetrug, noch einer weiteren Gefahr gegenüber: der Schadenersatzpflicht. Mehrere Finanzinstitute ließen sich – ohne es zu ahnen – von internationalen Finanzbetrügern in fremde Finanzgeschäfte involvieren. Die organisierten Betrüger gehen in der Verfolgung ihrer Ziele arbeitsteilig und stufenweise vor. So sind zahlreiche Finanzbetrüger nur damit beschäftigt, Bankverbindungen aufzubauen. Sie geben dabei an, dass sie im Auftrage Dritter eine entsprechende Bank suchen, die treuhänderisch große Finanzgeschäfte abwickelt. Diese Banken werden von den Kriminellen als „fiduciary bank“ bzw. „closing bank“ bezeichnet. Erklärt sich die betreffende Bank zur Übernahme der Treuhandschaft für die in Aussicht gestellten Millionentransaktionen bereit, wird sie aufgefordert, eine vorformulierte „R.W.A.-Erklärung“ (Ready, Willing and Able) zu unterschreiben. Diese Erklärung wird dann von Komplizen (eventuell in einem anderen Land) dazu benützt, um einen Betrug durchzuführen. Der zukünftig Geschädigte erklärt sich etwa daraufhin bereit, eine Vorausleistung für ein in Aussicht gestelltes Finanzgeschäft zu leisten. Beispielsweise wird diese gewinnbringende Finanztransaktion von den Betrügern so dargestellt, dass eine „lending bank“ oder „funding bank“ das gesamte Kapital zur Verfügung stellt. Durch ein vorgetäuschtes kompliziertes Verfahren, bei dem Treuhandbanken eine Abwicklung des Finanzgeschäftes Zug um Zug garantieren, sollen entsprechende Sicherheiten gegen das Kapital ausgetauscht werden. Die Sicherheiten, in Form von Bankgarantien, Certificates of Deposit etc., werden laut Darstellung der Betrüger vom „collateral provider“, d. h. der Person, die die Papiere zur Verfügung stellt, erworben. Dem Bankbeamten, der seine Unterschrift unter eine „R.W.A.“Erklärung setzt, wird keineswegs bewusst, dass er damit seine Bank in Schwierigkeiten bringt. Noch viel fataler sind jedoch die vorformulierten Erklärungen, die in den letzten Jahren im Zusammenhang mit dem fiktiven Handel mit Bankgarantien unterschrieben wurden. In diesen speziellen Erklärungen nahmen die Banken nicht nur zur Kenntnis, dass das zu transferierende Kapital ihrer Kunden dem Handel mit Bankgarantien diene. Zusätzlich waren in den Erklärungen auch dementsprechende juristische Fußangeln enthalten.

Der Bankbetrug

Weltweit sind die Fälle von Bankbetrug und die damit verbundenen Schäden im starken Ansteigen begriffen. In den USA verlieren die Banken durch Betrug mehr als fünfmal so viel wie durch Bankraub. Die Erfahrung zeigt auch, dass die Schäden des internen die des externen Bankbetruges übersteigen. Besonders gefährlich in diesem Zusammenhang ist das Zusammenwirken von außenstehenden Tätern mit Bank-Insidern. Wir sehen uns wiederum dem bekannten Phänomen gegenüber, dass Banken selten Strafanzeigen erstatten; sie scheuen die Blamage in der Öffentlichkeit so sehr, dass sie sogar auf zivilrechtliche Schadensansprüche verzichten. Es gibt jedoch seit geraumer Zeit mehrere Großbanken, die ein konträres Verhalten an den Tag legen: sowohl interner als auch externer Bankbetrug werden rücksichtslos zur Anzeige gebracht. Die Erfahrung zeigt, dass, auf längere Sicht gesehen, die Verluste dieser Banken zumindest nicht ansteigen, sondern bedingt durch die general-und spezialpräventive Wirkung sich sogar vermindern. Die internationalen Betrüger meiden solche Institute natürlich deshalb, weil die strengen bankinternen Sicherheitsvorkehrungen ein fast unüberwindliches Hindernis darstellen. Diesen „harten“ Banken stehen die „weichen“ Banken und die Finanzinstitute gegenüber, von denen bekannt ist, dass sie selten ein Geschäft bzw. einen neuen Kunden ablehnen. Es ist gewiss kein Zufall, dass letzten Endes immer wieder dieselben Banken in den Finanzbetrug involviert sind. Die einzige Möglichkeit, die immer höher werdenden Verluste durch Bankbetrug einzudämmen bzw. zu reduzieren, stellt ausschließlich die Prävention dar. Die Banken sind einer immer größer werdenden Schadenersatzpflicht ausgesetzt. Aufgrund dieser Situation sind sie gezwungen, Gegenmaßnahmen zu ergreifen, die sich gerade für Betrüger nachteilig auswirken. Letzten Endes bringt die genaue Beachtung der Geldwäschebestimmungen seitens der Bank ein erhöhtes Maß an Sicherheit. Die Meldung verdächtiger Transaktionen an die zuständige Behörde hat schon viele Banken vor großen Schäden bewahrt. Paradoxerweise wird nämlich sehr oft ein versuchter Betrug für Geldwäsche gehalten.

Der Zweistufenbetrug

Die Vorbereitungen für einen groß angelegten Finanzbetrug erfolgen oft schrittweise, sozusagen in mehreren Stufen. In der langfristigen Vorbereitungsphase wird insbesondere ein Vertrauensverhältnis zu den involvierenden Personen aufgebaut. Eine wesentliche Stufe beim Aufbau eines Finanzbetruges ist vor allem dann erreicht, wenn ein Vertrauensträger (Bank, Notar, Rechtsanwalt etc.) eine Handlung setzt, ohne die Tragweite der Handlung in einem größeren Zusammenhang im Voraus ahnen zu können. Beispielsweise gilt dann die Stufe als erreicht, wenn ein Rechtsanwalt, der für einen Klienten Verträge etc. verfasste, von diesem zu einer Empfehlung an eine Bank missbraucht wird. Zu diesem Kapitel gehören die diversen bereits besprochenen Erklärungen, die von Seiten einer Bank akzeptiert werden sollen. Ein weiteres Beispiel: Ein Finanzbetrüger veranlasst einen Architekten zum Entwurf eines Planes für ein Krankenhausprojekt im fernen Osten. Weitere Fachleute kümmern sich um den dazugehörigen Finanzierungsplan. Im Anschluss daran sucht der Betrüger mit den gesamten Unterlagen eine Bank in Luxemburg auf. Die betreffende Bank soll den für das Projekt erforderlichen Zahlungsverkehr mit einem Volumen von 50 Millionen USD durchführen, ohne ein Kreditrisiko einzugehen. Dem Betrüger geht es nur darum, von der Bank eine Absicherungserklärung (Letter of Intent) für die Durchführung des Geschäftes zu erlangen. Für den Kriminellen jedoch kann dieser „Letter of Intent“ sehr wichtig sein. Er könnte sich damit von einer ausländischen Bank einen Kredit erschwindeln. Er gibt vor, Geld für die Bezahlung von Spesen, Provisionen etc. zu benötigen. In einem anderen Fall versuchen internationale Betrüger, wie sehr oft, einen Rechtsanwalt zu täuschen. Sie beauftragten ihn, mehrere Promissory Notes (Eigenwechsel) einer in Panama eingetragenen Briefkastenbank in seinem Wertpapierdepot aufzunehmen. Die völlig wertlosen Papiere wiesen einen Nennwert von hundert Millionen USD auf. In Wirklichkeit hatten es die Betrüger nur auf den Depotauszug abgesehen. Die Bank lehnte dieses Ansinnen mit dem Hinweis auf die Bestimmungen des Depotgesetztes ab, wonach nur börsengängige und geprüfte Wertpapiere depotfähig sind. Mit einem erschwindelten Depotverzeichnis, zusammen mit einer langfristig aufgebauten Korrespondenz, hätten die Betrüger in einem anderen Land eine Bank oder eine Privatperson betrügen können.