Der Kreditbetrug

Der Kreditbetrug

Man unterscheidet den internen vom externen Kreditbetrug: Ersterer liegt vor, wenn Bankangestellte als Täter auftreten.

Bei der Durchführung des externen Bankbetruges ziehen die Finanzbetrüger alle Register:

- Stufenweiser Aufbau eines Lügengebildes, umfangreiche und langfristige Planung, z. B. ein großes „Firmennetz“ wird errichtet,
- Einschaltung von Rechtsanwälten und Steuerberatern als „Introducer“.. Introducer sind diejenigen Personen, die z. B. bewusst oder unbewusst  einen Kriminellen an eine Bank empfehlen.

Bei der Bewertung des ausländischen Kreditrisikos stößt der Kreditsachbearbeiter z. T. auf unüberwindliche Schwierigkeiten. Beispielsweise kann er nicht sofort die Integrität von Wirtschaftstreuhändern, Gutachtern, Banken etc. überprüfen. Vielfach verwenden die Betrüger verfälschte Bilanzen, Gefälligkeitstestate etc. Die Handels- und Bankauskünfte sind sehr indifferent gehalten.

Eine Fülle von Überprüfungen der Unterlagen des Kreditwerbers sind notwendig: Ist an der angegebenen Geschäftsadresse ein echter Betrieb oder nur ein Business Service? Wer verbirgt sich hinter angegebenen Telefon- und Faxnummern? Wer ist der wirtschaftliche Inhaber von Firmen?

Es muss hier mit aller Klarheit ausgesprochen werden, dass derartige Recherchen viel Geld kosten.

Der Subventionsbetrug gehört ebenfalls in das Kapitel des externen Kreditbetruges:  Es wird dabei nicht die Bank, sondern meist die öffentliche Hand geschädigt. Ein Beispiel: Ein ausländischer Unternehmer verspricht, in einer Krisenregion eine Fabrik zu errichten und Arbeitskräfte einzustellen.

Teure Maschinen (z. B. für die Herstellung von Videobändern) werden importiert. Kurz nach Eröffnung des neuen Betriebes erklärt der Unternehmer seine Zahlungsunfähigkeit. Die Banken konnten dieses Kreditrisiko nicht überprüfen, da man keine Fachleute für die Begutachtung des Projektes herangezogen hatte.

Der Unternehmer kaufte nämlich die Maschinen unter Einschaltung von Briefkastenfirmen um 50% zu teuer ein.

Der interne Kreditbetrug gehört in den meisten Fällen nicht zum internationalen Finanzbetrug. Trotzdem wird hier auf einen bestimmten modus operandi eingegangen, da dieser von der Literatur bisher vernachlässigt wurde.

Zahlreiche Banken in den USA sind zusammengebrochen, da Bankangestellte oder sogar Bankdirektoren so genannte „Dummy Loans“ (fingierte Kredite) produzierten. Diese auch in Europa nicht unbekannte Betrugsart wird im Folgenden beschrieben: Der Kreditsachbearbeiter bzw. der Chef der Kreditabteilung oder sogar ein Direktor der Bank höchstpersönlich legt einen Kreditakt auf einen fingierten Namen an. Der Name des Schuldners kann dabei frei erfunden sein oder auf eine existente, aber völlig ahnungslose Person lauten. Die Kreditunterlagen selbst, wie z. B. die Lohnbestätigung, die Unterschrift auf dem Kreditantrag, sind gefälscht. Der Bankbeamte verwendet den Kredit für sich selbst bzw. übergibt ihn abzüglich einer „Provision“ an einen bankexternen Komplizen.

Für die monatlich fälligen Ratenzahlungen sorgt der Täter bzw. der Komplize. Ständig werden neue Kredite aufgenommen, so dass das Kreditvolumen immer mehr anschwillt. Verbrechen dieser Art werden oft jahrelang nicht entdeckt. Mit der Position des Täters steigt auch die Höhe der Verluste.

Dem Bericht der „Financial Times“ vom 23. Januar 1996 zufolge blieb ein derartiger Betrug über einen Zeitraum von 5 Jahren in einer japanischen Bank unentdeckt.

Der Schaden: 7,9 Millionen USD!

In den USA ist jede Form des Bankbetruges anzeigepflichtig. Die Revisionsabteilungen der Banken entwickelten entsprechende Gegenmaßnahmen, z. B. werden jährlich die Kreditkunden zur Bestätigung (positive Verifikation) oder zur Reklamation (negative Verifikation) der Kontoauszüge ersucht. Die Rücksendung der erwähnten Schreiben der Revisionsabteilung, auch im Falle der Nichtzustellbarkeit, erfolgt nicht an die übliche Anschrift der Bank. Als weitere präventive Maßnahme ist bei vielen US-Banken die Auszahlung des Kredites per Scheck eingeführt, was die Überprüfung des Geldflusses wesentlich erleichtert.

Beim internen Kreditbetrug spielt auch die Korruption eine große Rolle. In ehemaligen Ostblockstaaten wurden beispielsweise seit Jahren Firmen unter der Verwendung einer falschen Identität (der Organe der Gesellschaft) in das Handelsregister eingetragen. Korrupte Bankbeamte bewilligten für diese Firmen großzügige Kredite.

Vorgetäuschte Bauträgergeschäfte mit Projektfinanzierung

Seit Mitte 1995 kursiert ein völlig neues Modell des mutmaßlich groß angelegten Kreditbetruges mit Millionenschaden.

Im Hintergrund stehen deutsche und amerikanische Hochfinanz-Betrüger in New York. Als angebliche Financiers bzw. Vermittler treten Briefkastenfirmen in der Schweiz und Lichtenstein in Erscheinung. Das Szenario wird bereicht durch (ahnungslose) Anwälte, die als Treuhänder gegenüber Banken eingeschaltet sind. Eine wichtige Rolle spielt dabei eine Bauträgergesellschaft, die nach außen hin von Strohmännern geführt wird.

Nun zum Ablauf der Geschehnisse:

Die Bauträgergesellschaft schließt einen Kaufvertrag zum Erwerb einer Althausimmobilie zwecks Sanierung oder eines Baugrundstückes zur Errichtung eines Großprojektes ab.

Zugleich erwecken die Initiatoren den Anschein, als ob die Finanzierung durch US-Investoren erfolgen würde. Anschließend beantragen die Geschäftsführer der Bauträgergesellschaft einen Geschäftskredit von ca. 1 Millionen USD, der angesichts des Gesamtvolumens von ca. 20 Millionen Euro eher bescheiden anmutet.

Als Zweck des Kredites wird die Finanzierung der Vorlaufskosten, inklusive der Kosten für den US-Kredit, angegeben. Der Kreditrahmen wird ausgeschöpft und in das Ausland transferiert.

Der Stoßbetrug

Sowohl die englische Bezeichnung „long firm fraud“ als auch die deutsche Terminologie „Stoßbetrug“ sind irreführend. Der Stoßbetrug entwickelte sich nach dem Zweiten Weltkrieg speziell in London zu einer derart besorgniserregenden Form der organisierten Wirtschaftskriminalität, dass zu deren Bekämpfung eigene Polizeidienststellen errichtet werden mussten. Im Folgenden wird der modus operandi beschrieben.

Die organisierten Täter gehen arbeitsteilig vor: Der „frontman“ gründet ein Handelsunternehmen. Das Anfangskapital stammt vom „financer“. Dieser kauft große Mengen von Waren, die sich schnell weiterverkaufen lassen, z. B. Spirituosen, Elektronik, Textilien. Der Verkauf erfolgt unter dem Einstandspreis, nur um so die Ware wieder schnell loszuwerden. Das Spiel wird für einige Zeit fortgesetzt, bis die Lieferanten auf diesen Barzahler aufmerksam werden und von sich aus Lieferantenkredite anbieten. Diesem Beispiel folgen auch die Banken, die dem umsatzstarken Kunden Kredite offerieren. Wenn der richtige Zeitpunkt gegeben ist, dann werden vor einem Wochenende die verbliebenen Waren auf einem Schlag in bar verkauft, „abgestoßen“. Die Täter, die oft unter falscher Identität aufgetreten waren, verschwinden spurlos. Diese Betrugsart gibt es in vielen Varianten. Besonders gefährlich ist es, wenn die Täter eine althergebrachte Firma mit gutem Namen „still“ übernehmen und den bisherigen Eigentümer als ahnungsloses Aushängeschild missbrauchen.

Der Akkreditivbetrug

Die Formen der Finanzierung im internationalen Handel resultieren aus einer langen historischen Entwicklung. Eine weit verbreitete Finanzierungsform im Außenhandel stellt das Akkreditiv dar. Der Vorteil liegt darin, dass sowohl die Interessen des Importeurs auf Erhalt der Ware als auch die Interessen des Exporteurs auf Bezahlung des Kaufpreises verwirklicht werden.

Einer der Schwachpunkte dieses Systems liegt im Konnossement /Bill of Lading), das relativ leicht gefälscht werden kann. Auch die anderen Papiere, die zur Auszahlung eines Akkreditivs bei der Bank vorgelegt werden müssen, sind keinesfalls fälschungssicher. Der Importeur tut gut daran, über den Exporteur, falls keine erstklassige Geschäftsbeziehung vorliegt, genaue Erkundigungen einzuholen. Das Dokumentengeschäft der Banken wird aufgrund der Bestimmungen der Internationalen Handelskammer durchgeführt. Die Aufgabe der Bank liegt darin, dass sie die Papiere im Sinne des Akkreditivs auf Vollständigkeit genau überprüft. Das betreffende Geldinstitut übernimmt natürlich im Falle einer Fälschung keinerlei Haftung. Das Betrugsrisiko trägt fast immer der Importeur.

In den meisten Fällen des Akkreditivbetruges wird der Importeur geschädigt, d. h., er erhält überhaupt keine oder eine wertlose bzw. minderwertige Ware. Die Schäden gehen oft in die Millionen.

Im Falle eines betrügerischen Zusammenspiels von Exporteur und Importeur kann auch die garantiegebende Bank geschädigt werden, insbesondere dann, wenn der Warenverkehr fingiert ist.

Einer dieser gefährlichen international tätigen Kriminellen schädigte vor 5 Jahren mehrere Banken um viele Millionen USD. Er bot in Inseraten Waren unter dem Weltmarktpreis an.

Mehrere Importeure reagierten darauf und eröffneten entsprechende Akkreditive bei ihren Hausbanken. Der Betrüger, der unter einem Aliasnamen auftrat, übertrug seine Rechte an den Akkreditiv im Wege der Forfaitierung an eine Bank in Deutschland.

Die betreffende Bank überwies im Gegenzug höhere Beträge an mehrere Offshore-Firmen, um den vermeintlichen Kaufpreis für die gelieferte Ware zu bezahlen.

In Wirklichkeit handelte es sich um Briefkastenfirmen, hinter denen sich der Täter verbarg. Das vorgelegte Konnossement und die weiteren Unterlagen stellten sich als Fälschung heraus. Der Täter konnte nach Monaten in Frankfurt ausgeforscht und festgenommen werden.

In diesem Zusammenhang darf nicht unerwähnt bleiben, dass das Commercial Crime Bureau in London, eine Organisation der Internationalen Handelskammer, auf die Bekämpfung dieser Art von Kriminalität spezialisiert ist.

Eine Londoner Bank lässt seit drei Jahren sämtliche Akkreditive und Frachtpapiere bei dieser Institution überprüfen. So konnte ein Schaden von insgesamt 130 Millionen Dollar abgewendet werden.

Der Transferbetrug

Ein weiteres Betätigungsfeld organisierter Betrüger liegt darin, durch gefälschte Anweisungen Banken zu Kapitaltransfers zu veranlassen. Die Täter kundschaften ein Bankkonto mit entsprechendem Guthaben aus. Anschließend fälschen sie die Unterschriften des betreffenden Kontoinhabers auf einer Zahlungsanweisung. In den meisten Fällen funktionieren die Sicherheitsvorkehrungen der Banken so gut, dass nur wenige Betrugsversuche für die Täter erfolgreich verliefen. Die internationalen Finanzbetrüger bedienen sich bei der Behebung der durch Transferbetrug erbeuteten Beträge oft ahnungsloser Treuhänder oder „runner“. Es ist jedoch sicher, dass Hacker in das internationale Bankeninformationssystem S.W..I.F.T nicht eindringen können. Durch dieses System wird weltweit der Zahlungsverkehr zwischen den Banken organisiert. Mitte 1995 berichtete die Presse, dass es russischen Computerspezialisten gelungen sei, in das elektronische Überweisungssytem einer US-Großbank einzudringen. Die Hacker veranlassten den Transfer von 10 Millionen USD auf Konten in sieben Länder. Den schnellen Zugriff des FBI war es zu verdanken, dass das Geld bis auf USD 400.000,00 sichergestellt werden konnte. Später war der Fachpresse zu entnehmen, dass die russischen Hacker in ein für Großkunden bestimmtes Transfersystem eindrangen. Es werden neuerdings auch große Firmen durch Überweisungsbetrug geschädigt. Insider geben Erkenntnisse über interne Zahlungsabläufe an Außenstehende weiter. Gefälschte Rechnungen werden in die entsprechende Abteilung eingeschleust, um eine Zahlungsanweisung zu veranlassen.