Das „Ponzi-Schema

Clown

Das „Ponzi-Schema“ (Pyramiden-Betrug)

Charles Ponzi, ein italienischer Einwanderer, gründete anfangs 1920 in Boston ein Pyramidensystem, das Anlegern einen jährlichen Profit von mehr als 200% versprach. Er rechtfertigte diese Gewinne mit einem Geschäft, das die Preisdifferenzen italienischer und amerikanischer Postkupons ausnützte. Innerhalb eines Jahres vertrauten insgesamt 30.000 Investoren dem inzwischen berühmt gewordenen Charles Ponzi einen Gesamtbetrag von 15.000 Millionen USD an. Die Massen prügelten sich vor den Geldannahmeschaltern, so dass die Polizei täglich gezwungen war, für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Die Anleger waren zum Teil so fanatisch, dass sie ihre Bankkonten auflösten, Hab und Gut verkauften und die Ersparnisse eines Lebens zusammenkratzten, um alles bei Charles Ponzi anzulegen. Obwohl nach einigen Monaten erste kritische Berichte in der „Boston Post“ erschienen, ließen sich die Anleger keineswegs abhalten. Ponzi wurde als Wohltäter gefeiert. Er ließ nämlich an jeden Investor, sofern dieser es forderte, Kapital und Zinsen anstandslos auszahlen. Die Zinsen der Altanleger wurden jedoch mit den Einlagen der Neuanleger finanziert. Die Mehrheit der Anleger ließ aber nach Ablauf der Bindungsfrist das Kapital samt Scheinzinsen zur Widerveranlagung stehen. Der Sohn des Herausgebers der „Boston Post“, Richard Grozier, schöpfte jedoch Verdacht. Er startete im Juli 1920 eine Artikelserie, in der er nachwies, dass das System von Charles Ponzi eines Tages unausweichlich zusammenbrechen muss. Er ließ zu dieser Problematik Mathematikprofessoren und andere Experten in der Zeitung zu Wort kommen. Als Reaktion auf diese Berichte, für die Grozier Jahre später mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet wurde, ordnete ein Richter an, dass Ponzi vorerst keine neuen Anlagegelder annehmen dürfe und dass die gesamte Finanzgebarung überprüft wird. Unter den Anlegern brach Panik aus, doch Ponzi ließ Tag und Nacht auszahlen, so dass nach wenigen Tagen wieder Ruhe einkehrte. Erst Anfang August 1920 musste Ponzi seine Zahlungsunfähigkeit eingestehen. Wenige Tage später berichtete die „Boston Post“, das es sich bei Ponzi um einen Kriminellen handelte, der bereits in Kanada zwei Jahre wegen Betruges verbüßt hatte. Ponzi wurde verhaftet und zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt.. 1925 wurde er abermals wegen neuer Straftaten festgenommen und 1934 schließlich nach Italien deportiert. Seitdem heißt im angloamerikanischen Raum dieses Schneeballsystem „Ponzi-Schema“. Natürlich war diese Betrugsmethode damals nicht ganz neu, doch Ponzi war wohl ihr berühmtester Vertreter. In der heutigen Zeit stehen wir noch immer den Betrugsmethoden, die mit dem Phänomen der Massenhysterie operieren, gegenüber. Das Ponzi-Schema findet die Fortsetzung im „Caritas-System“ in Rumänien, das bis Mitte 1994 vier Millionen Menschen um insgesamt 100 Millionen USD schädigte. Ein ähnlicher Fall ließ kürzlich in Russland aufhorchen: Geschädigt sind 10 Millionen Menschen. Und in den deutschsprachigen Ländern? Arbeitete nicht ein sektenmäßig organisierter Club mit demselben System? Die „Welt am Sonntag“ berichtete am 12. Januar 1996, dass 94.000 Mitglieder des „European Kings Club“ rund 400 Millionen EUR verloren haben. Wir erinnern uns doch: Der Club lockte mit Gewinnversprechen von 71%!

Betrug mit Grundschuldbriefen

„Immobilien-Wertdifferenz-Geschäft“

Die Betrüger sind erfinderisch. Seit 1993 erscheinen in deutschen Zeitungen Inserate, in denen für jährliche Renditen von 12,9 bis zu 60% je nach Angebot für Eigentümer-Grundschuldbriefe geworben wird. In Deutschland kann der Eigentümer einer Immobilie über einen Notar eine „Eigentümergrundschuld“ in Form eines Grundschuldbriefes im Grundbuch eintragen lassen. Zum Unterschied von einer Hypothek ist die Grundschuld eine abstrakte Forderung (wie eine Wechselverpflichtung). Dieser Grundschuldbrief kann vom betreffenden Eigentümer mit Vollmacht abgetreten werden. Der neue Gläubiger kann diese abstrakte Forderung z. B. als Sicherheit für einen Realkredit verwenden.

Die Betrüger operieren mit dem Begriff „Immobilien-Wertdifferenz“, Sie bezeichnen damit jene Summe, die sich aus 65% des Schätzwertes abzüglich der Belastungen ergibt.

Die Kriminellen versprechen bei einer Anlagedauer von 12 Monaten für eine „Wertdifferenz“ von mindestens EUR 250.000,00 einen monatlichen Gewinn von 1% bis 5% je nach Angebot. Es werden weder Grundbucheintragung noch Zinsen bzw. Tilgung verlangt. Die Betrüger geben vor, die enormen Gewinne durch „Trading-Geschäfte“ zu erwirtschaften.

Wie viele Fälle zeigen, versuchen die Gauner die herausgelockten Grundschuldbriefe außerhalb von Deutschland als Sicherheiten für Bankkredite zu verwenden. Möglicherweise werden für eine gewisse Zeit die Schuldzinsen an die Bank überwiesen und den Anlegern Scheingewinne bezahlt. Erfahrungsgemäß lassen die Verbrecher dann nichts mehr von sich hören. Für die Opfer kommt dann das böse Erwachen. Die Versteigerung der Immobilien droht! Besonders viele Bürger aus den neuen Bundesländern sind davon betroffen.

Bei der Vermarktung der Eigentümer-Grundschuldbriefe versuchen die internationalen Finanzbetrüger - meist außerhalb Deutschlands - folgende Wege einzuschlagen:

Nach Übernahme einer Gesellschaft wird der bisherige Geschäftsführer als Aushängeschild belassen. Große geschäftliche Aktivitäten (auf dem Papier) werden vorgetäuscht. Die Täter beantragen dann bei einer Bank einen Geschäftskredit (Rahmenkredit). Bei den vorgelegten Geschäftsunterlagen befinden sich Grundschuldbriefe, die den Anschein erwecken sollen, dass sich die Eigentümer der entsprechenden Immobilien mit mehreren Millionen an dem Geschäft beteiligen.
- Gelegentlich werden Grundschuldbriefe als Sicherheit für Bankbürgschaften oder Certificates of Deposit angeboten.
- In einigen Fällen versuchen die Betrüger, die Grundschuldbriefe (entgegen den Bestimmungen des Depotgesetzes) in ein Wertpapierdepot einer Bank unterzubringen. Der erschlichene Depotauszug dient dann als Mittel der Täuschung.
Anfang 1995 beschlagnahmte die Polizei in Deutschland bei Hausdurchsuchungen massenweise Grundschuldbriefe bis zu 125 Millionen Euro im Einzelfall! Beim Betrug mit Grundschuldbriefen sind natürlich wieder die international organisierten Finanzbetrüger tätig. Neuen Meldungen zufolge sind insbesondere einschlägig bekannte „Finanzfirmen“ in der Schweiz auf diesem Gebiet aktiv. Die Bundesnotariatskammer in Köln gab unlängst eine entsprechende Warnung heraus („Immobilien-Wertdifferenz-Konzept“).

Auch der „Gerlach Report“ beschäftigte sich in der Ausgabe 7/95 mit diesem Problem.

In Österreich, wo die Institution der Grundschuldbriefe nicht bekannt ist, werden abgewandelte Modelle angeboten. Wiederum werden Eigentümer von Immobilien (Wert ab 2,5 Mio. ATS) lukrative Geschäfte angeboten, die völlig risikolos 2-4% Gewinn pro Monat erbringen sollen.

Das Prozedere dieses so genannten „Immobilien – Wertdifferenz - Geschäfts“ sieht u. a. vor, dass Schätzgutachten von gerichtlich beeideten Sachverständigen und die grundbücherliche Ranganmerkung der beabsichtigten Veräußerung und Belastung beigebracht werden.

Die organisierten Betrüger lassen durch die zum größten Teil völlig ahnungslosen“Finanzberater“ (in Österreich) behaupten, dass die o. a. Unterlagen für den „Handel mit Bankpapieren“ in „Paketen zu 10 Mio. USD“ verwendet werden. Auch die Österreichische Notariatskammer warnte im April 1995 Ihre Mitglieder.

„Blocked Funds Trading Programm“

Seit 1994 bieten einschlägig bekannte Personen ein „Beteiligungsprogramm“ an, das ein

zusätzliches Einkommen für eine bankmäßige Festgeldanlage verspricht.

Voraussetzung ist, dass mindestens USD 300.000,00 für etwas länger als 1 Jahr gebunden sind.

Gefordert wird lediglich eine als „Blockierungsbestätigung“,  „Kapitalbestätigung“,

„Blocked Funds Letter“ etc. bezeichnete Bestätigung der betreffenden Bank.

Dafür werden monatlich 0,25 % Zinsen in Aussicht gestellt.

Zur Rechtfertigung dieser wundersamen Kapitalvermehrung wird ein „Handelsprogramm mit verifizierbaren  Bankinstrumenten“ angeführt: das so genannte „Blocked Funds Trading

Programm“ .

Bei dieser Variante des Anlagebetruges (durch die angebliche Beteiligung am Handel mit

Bankgarantien) versuchen die Täter offensichtlich, das zuerst zögernde Opfer mit einem

Geschenk („Something for nothing“) zu ködern. Der später Geschädigte soll nach der ersten Freude über den Scheingewinn zu einer Direktinvestition (mit nachfolgendem Totalverlust)

überredet werden.

Außerdem werden die total wertlosen „Blocked Funds Letters“ weltweit als Sicherheiten für Kredite bzw. zur Bestätigung der Kreditwürdigkeit eingesetzt.

Im Juli 1995 wurden bei einer Londoner Bank derartige Papiere, lautend auf insgesamt

5,5 Millionen USD, im Rahmen eines betrügerischen Zuckergeschäftes als Sicherheiten angeboten.

Es erübrigt sich zu sagen, dass die Unterzeichnung eines „Blocked Funds Letter“ eine Bank in die Gefahr einer zivilrechtlichen Haftung bringen könnte.