Der Wertpapierbetrug

Der Wertpapierbetrug

Gäste, die sich amüsieren 

Der klassische Betrug mit gefälschten Wertpapieren hat keinesfalls an Aktualität verloren. Im Gegenteil, dieser „Geschäftszweig“ ist fest in den Händen der organisierten Kriminalität. Professionelle Finanzbetrüger versuchen nur in wenigen Fällen, die Falsifikate an eine Bank zu verkaufen. Das Bestreben der Kriminellen ist in erster Linie darauf ausgerichtet, ein entsprechendes Lügengebäude zu errichten, um gestohlene, gefälschte außer Kurs geratene Wertpapiere zu beleihen; sie wollen also einen Wertpapier-Lombardkredit erlangen. Bei der Verschleierungstaktik wird nicht selten Geldwäsche, Steuerhinterziehung oder Steuerflucht vorgetäuscht. Oft werden auch große Investitionen oder Kapitalveranlagungen gemimt. In das Netzwerk der Täter sind immer wieder Rechtsanwälte eingebunden. Die Schäden sind beträchtlich. Verluste von 20 Millionen im Einzelfall sind keine Seltenheit. Seit den Jahren 1991/92 tauchen in Europa immer wieder US-Industrieanleihen, z. B. Dow Chemical Corp., auf, die vor vielen Jahren aus einem Lagerhaus in New Jersey (USA) gestohlen wurden. Viele dieser Papiere sind durch Perforation entwertet. Mehrere Banken in Liechtenstein, Österreich, der Schweiz und den Niederlanden erlitten durch Beleihung dieser Papiere Schäden von ca. 70 Millionen USD. Nach fieberhaften Ermittlungen der Kantonspolizei Zürich, des FBI und des US Secret Service konnten 1992 mehrere Täter in den USA und in der Schweiz festgenommen werden. Bei den Tätern und sonstigen involvierten Personen handelte es sich um teilweise wohlbekannte Betrüger aus der Züricher Unterwelt. Im Jahre 1994 wurden diese Papiere wieder mehrfach angeboten. In diesem Zusammenhang konnte sogar ein deutscher Rechtsanwalt in Österreich festgenommen werden. Er wollte im Auftrag eines Mandanten diese wertlosen Anleihen im Nennwert von 17 Millionen USD bei einer Bank beleihen. Der Rechtsanwalt hatte angeblich nicht die geringste Ahnung, dass die Papiere wertlos waren. Den Namen seines Klienten gab er nicht preis. Banken sind natürlich auch mit gestohlenen Wertpapieren konfrontiert. So wurden 1995 bei einer Filiale einer großen Bank in Deutschland Wertpapiere mit einem Nennwert von ca. 40 Millionen EUR zum Verkauf angeboten. Die betreffende Bank reagierte richtig: Sie erstattete eine Geldwäsche-Verdachtsmeldung an die zuständige Behörde. Die unverzüglich eingeleiteten Ermittlungen ergaben, dass die Papiere in einer britischen Bank gestohlen wurden. Die Anbieter – einschlägig bekannte Personen – wiesen natürlich jeden Verdacht von sich. Im Gegenteil, sie wollen selbst Opfer eines geschickt eingefädelten Betruges geworden sein.

Der Kontoeröffnungsbetrug

Eine wichtige Bankerregel lautet: „Know your customer“. Diese besagt, dass sich die Bank vor Aufnahme einer Geschäftsbeziehung Gewissheit über die Identität und die Bonität des neuen Kunden verschaffen muss.

Eine Verletzung dieser Regel kann für die Bank zu unangenehmen Konsequenzen führen.

Immer wieder versuchen organisierte Betrüger, mittels gestohlener und verfälschter Ausweise Konten zu eröffnen. Sie geben dabei vor, dieses Konto für geschäftliche Aktivitäten nützen zu wollen.

Die Täter zahlen einen kleineren Betrag auf ihr neu errichtetes Konto. Nach einiger Zeit reichen sie dann verfälschte bzw. ungedeckte Schecks zur Gutschrift ein. Manchmal kann es vorkommen, dass diese Schecks aufgrund einer mangelnden Kontrolle seitens des Bankpersonals sofort gutgeschrieben werden. Die Täter, in der letzten Zeit sind es verstärkt Straftäter aus Nigeria, Zaire, Nordafrika oder Frankreich, erbeuten auf diese Weise Beträge bis zu ca.. EUR 25.000,00 im Einzelfall.

Es muss jedoch gesagt werden, dass der Großteil der Täter in kurzer Zeit von der Polizei überführt wird. Die Anzeigebereitschaft der Banken ist in den Fällen des Kontoeröffnungsbetruges sehr hoch. Ein Konto unter falscher Identität kann auch anderen betrügerischen Zwecken dienen, z. B. können Gelder, die aus einer Straftat herrühren, unentdeckt dem Bankkreislauf entzogen werden.

Die Praxis zeigt, dass größere Finanzbetrüger durchwegs unter ihren richtigen Namen auftreten.

Sie versuchen also immer, den Schein der Legalität zu wahren.

Die Scheckreiterei

Die Scheckreiterei („check kiting“) setzt Voraus, dass der Kunde einer Bank bei Einreichung eines Schecks sofort über den dem Scheck zugrunde liegenden Betrag verfügen kann. Genau genommen erhält der Kunde bis zur Gutschrift der von der auswärtigen Bank überwiesenen Scheckvaluta einen kostenlosen Kredit. Dieses Recht wird von den Banken nur guten Kunden eingeräumt.

Die Scheckreiterei ist die illegale Kreditschöpfung auf der Grundlage ungedeckter Schecks. Oder anders gesagt, ein inflationärer Kreislauf, losgelöst von echten Handelsgeschäften.

Dem Täter ist bewusst, dass das Konto der bezogenen Bank zum Zeitpunkt der Scheckeinreichung keine entsprechende Deckung aufweist. Er nutzt den Postlauf im Abrechnungsverkehr der Banken, insbesondere den mit dem Ausland. Der Betrüger sorgt erst im letztmöglichen Zeitpunkt bei der bezogenen Bank für eine Deckung. Das Geld hierfür beschafft er sich auf dieselbe Weise.

Diejenige Bank, die zeitgerecht das Spiel durchschaut, kann noch ohne Verlust aussteigen.

Die durch Scheckreiterei verursachten Schäden können bedrohliche Ausmaße annehmen. Im Jahre 1990 erlitt eine Bank in Hongkong dadurch einen Schaden von 170 Millionen USD. Heute kann diese Kriminalitätsform bereits durch Computereinsatz vorzeitig entdeckt werden. Vor Jahren entwickelte eine Firma in Missouri ein diesbezügliches Softwareprogramm.

Die Warnsignale für Scheckreiterei:

- trotz hoher Umsätze auf dem Konto nur ein geringer Saldo,
- häufige Bareinlagen, auch bei verschiedenen Filialen,
- steigende Umsätze, die nicht mit dem Geschäftsvolumen korrespondieren,
- der Kunde reicht häufig von ihm selbst ausgestellte Schecks, gezogen auf ausländischen Banken, ein,
- der Kunde hebt laufend hohe Bargeldbeträge ab,
- der Kunde erkundigt sich oft nach dem Kontostand,
- zahlreiche Anfragen anderer Banken.

Der Scheckbetrug

Die Heimat des Scheckbetruges sind die USA, wo auch der Scheck am meisten verbreitet ist. Die Zahlungen werden dort häufig durch Schecks abgewickelt, die per Post versendet werden.

Dies hatte zur Folge, dass entsprechende Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden mussten, um den Diebstahl von Schecks, z. B. im Postwege, zu verhindern. Ein gestohlener Scheck, versehen mit einem falschen Indossament, kann zu Geld gemacht werden.

Im Jahre 1988 versuchte eine Betrügerbande, 40 kg Euroschecks, die auf dem Postwege Athen – London gestohlen wurden, bei einer Schweizer Bank auf ein neu eröffnetes Konto gutzuschreiben. Die Täter scheiterten jedoch an den vorbildlichen Sicherheitseinrichtungen der Eidgenossen. Ein Schaden von 9 Millionen USD konnte auf diese Weise verhindert werden.

Vor Jahren gestattete ein auf einer Kanalinsel tätiger Rechtsanwalt einem Klienten die Benutzung seines Anwaltskontos für einen Geldtransfer. Der Klient, der sich das Vertrauen des Anwaltes erschlich, brachte bei einer New Yorker Bank einen komplett gefälschten Scheck zur Gutschrift ein. Durch einen Fehler wurde der Betrag sofort dem Anwaltskonto gutgebucht und anschließend in ein anderes Land transferiert.

Die Methoden, um einen Scheck für betrügerische Zwecke zu erbeuten, sind vielfältig: Von Postämtern und von Firmen werden Blankoschecks, Scheckblanketten und bereits ausgestellte Schecks gestohlen.

Für kleinere Warenlieferungen wird die Bezahlung per Scheck gefordert, wobei erklärt wird, dass die Annahme von Bargeld untersagt sei.

Dieser erschlichene Scheck wird dann verfälscht, z. B. von USD 50,00 auf USD 50.000,00 und eingelöst. Die Unterschrift des Ausstellers stimmt überein, das Konto war gedeckt. Die Bank übernimmt daher keine Haftung für den Schaden, diesen trägt der Kontoinhaber selbst.

Ein besonderes Kapitel stellt der Betrug mit gestohlenen U. S. Treasury Checks dar. Diese Schecks sind von der amerikanischen Regierung privilegiert, d. h., sie müssen umgehend von der Korrespondenzbank in den USA honoriert werden. Wenn sich jedoch später herausstellt, dass der betreffende Pensionsscheck in Sizilien gestohlen und mit einem falschen Indossament in einem anderen Land zum Inkasso eingereicht wurde, erfolgt eine Rückbelastung. Die Bank, bei der der Scheck eingereicht wurde und die bereits aus den USA überwiesene Scheckvaluta an einen Kunden ausbezahlt hat, muss plötzlich den Gesamtbetrag zurückzahlen. Die Regressforderung gegenüber dem Kunden erweist sich als uneinbringlich. Bei dem Kunden handelt es sich oft um einen dubiosen Makler, der schon längst das Geld an seinen Auftraggeber nach Abzug einer Provision ablieferte. Der Auftraggeber ist unbekannten Aufenthaltes. Der Betrug mit U. S. Treasury Checks ist fest in den Händen der organisierten Kriminalität. Abgesehen von den U. S. Treasury Checks können auch mit „normalen“, auf US Banken gezogenen Schecks Schwierigkeiten entstehen, insbesondere im Falle eines gefälschten Indossamentes oder eines verfälschten Schecks (z. B. der Betrag wurde erhöht). Die US Bank kann nämlich bis zu drei Jahren eine Rückbelastung vornehmen, was bedeutet, dass die einreichende europäische Bank im Falle der Zahlungsunfähigkeit ihres Kunden den Schaden selbst tragen muss.

Der Wechselbetrug

Es ist hinlänglich bekannt, dass ein Wechsel gefälscht bzw. verfälscht sein kann. Er kann Unterschriften fiktiver bzw. kreditunwürdiger Personen tragen. Ähnlich der Scheckreiterei gibt es auch eine Wechselreiterei. Dem Wechsel liegt dabei kein echtes Handelsgeschäft zugrunde. In diesem Fall stellen kreditunwürdige Personen gegenseitig Wechsel aus.

Internationale Finanzbetrüger operieren vereinzelt mit gefälschten Wechselbürgschaften von Banken (Bankaval). Außerdem wurden Fälle bekannt, wonach ein wertloser Finanzwechsel von einem gefälschten oder erschlichenen „Letter of Comfort“ einer Bank begleitet war. Der „Letter of Comfort“ ist ein Empfehlungsschreiben einer Bank an eine andere.