Das fingierte Bankgeschäft

Planungsbesprechung

Das fingierte Bankgeschäft

Im Grunde genommen täuschen die Finanzbetrüger nichts anderes als Bankgeschäfte vor. Dabei sind die Grundgeschäfte der Bank, das „Passivgeschäft“ (Annahme von Spargeldern) und das „Aktivgeschäft“ (Kreditwährung) betroffen. Das missbrauchte Passivgeschäft, der Kapitalanlagebetrug, entwickelte sich zu einer Industrie der organisierten Finanzkriminalität. Das missbrauchte Aktivgeschäft, (Angebot einer Kreditwährung) wurde ebenfalls zu einem Tummelplatz für Finanzbetrüger. Interessanterweise ist diese Betrugsart in der Öffentlichkeit sehr wenig bekannt. Nimmt man beispielsweise den Inseratenanteil bestimmter großer Tageszeitungen genauer unter die Lupe, kann man folgendes feststellen: Die Anzahl der betrügerischen Kreditangebote und der dubiosen Kapitalanlagen ist ungefähr gleich groß. Auch die Aktivitäten der Briefkastenbanken stellen nichts anderes als vorgetäuschte Bankgeschäfte dar. Einerseits werden die Banken von den Finanzbetrügern als zu „konservativ“, zu wenig „innovativ“ hingestellt. Die Betrüger wollen den Eindruck erwecken, dass die Banken ihren Kunden gewinnbringende Geschäfte vorenthalten, um so ausschließlich für sich zu profitieren. Andererseits operieren die Finanzbetrüger nur zu gerne mit dem suggestiven Begriff „bankgarantiert“. Genau genommen versuchen die Finanzbetrüger, die Banken für niedere Dienste zu verwenden. Besonders bevorzugt werden Bankbeamte, die ohne viel zu fragen vorformulierte Erklärungen unterschreiben. Auf diese Weise wird der Bankbeamte zu einem Instrument der Betrüger degradiert. Viele Kunden konfrontieren ihre Hausbanken mit Angeboten, die ihnen von Betrügern vorgelegt wurden. Ein Bankbeamter ist nicht dazu da, die Unterlagen der Finanzbetrüger zu bewerten. In den meisten Fällen wird er auch die mit Phantasiebegriffen versehenen Angebote nicht analysieren können. In der bei Banken üblichen vorsichtigen Ausdrucksweise wird der Bankbeamte seinem Kunden erklären, dass er die Sache für eher konfus halte. Letzten Endes gewinnt der Betrüger oft das Wettrennen aufgrund seiner Überzeugungskraft und Eloquenz.

Lagebild

Wir stehen einem ständig wachsenden Boom des Finanzbetruges gegenüber. Die Inserate betreffend „Kapitalanlage/Geldverkehr“ in den Wochenendausgaben der großen deutschen Tageszeitungen sind bis zu 30% als betrügerisch zu werten. Trotz einer hohen Dunkelziffer, die etwa 90% der nicht den Behörden bekannt gewordenen Straftaten entspricht, werden wöchentlich neue Fälle von Finanzbetrug mit Schäden in Millionenhöhe bekannt. Es sind nicht nur private Kapitalanleger und Kreditsuchende Unternehmer betroffen, sondern auch Banken, Schäden von 25 Millionen EUR keine Seltenheit darstellen. Die Filiale einer internationalen Großbank in Chiasso musste sogar einen Schaden von ca. 130 Millionen USD hinnehmen. Die Arbeitsweise der Betrüger, die sich seit vielen Jahren insbesondere in den USA voll entwickelte, traf Europa, wenn man von England absieht, ziemlich unvorbereitet. Wir haben es hier mit hoch entwickelten Gedankengängen mit beachtenswerter Intelligenz zu tun. Die „internationalen“ Finanzbetrüger richteten insbesondere in Norwegen und Schweden derartig hohe Schäden an, dass sogar große Banken in arge Bedrängnis gerieten. Derzeit breiten sich diese „Finanzseuchen“ in weiten Teilen Osteuropas aus. Einige dieser Länder erkannten jedoch rechtzeitig die Gefahr für die Volkswirtschaft und ergriffen Gegenmaßnahmen. Der international organisierte Finanzbetrüger kann sämtliche Vorteile, die ihm Datenschutz, Bankgeheimnis und eine liberale Strafgesetzgebung bieten, voll ausnützen. So wird er in seiner Arbeitsweise kaum von den Behörden belästigt oder gestört. Die Schäden sind enorm: Alleine in Deutschland fordert der Vermittlungsbetrug zusammen mit dem vorgetäuschten Handel mit Bankgarantien schätzungsweise mehr als 500 Mio. EUR pro Jahr. Der Finanzbetrug liegt weltweit in den Händen weniger Berufsverbrecher, deren Zahl in Europa unter 500 liegen dürfte. Allerdings bedienen sich diese Betrüger einer Unzahl provisionsgieriger Vermittler, die zum Teil ahnungslos zur Verbreitung der „Finanzseuchen“ beitragen. Nicht wenige Rechtsanwälte, Notare und Steuerberater sind als Treuhänder in das System eingebunden. Die Bekämpfung der gewerbsmäßig organisierten Betrüger erfordert auch eine teilweise Umstrukturierung des herkömmlichen Polizei-und Justizsystems. In der Zukunft werden eigene spezialisierte Dienststellen für organisierte Finanzkriminalität diese Art von Verbrechen bekämpfen. Der Grund des ungeheuren Erfolges der Finanzbetrüger liegt wohl in der Tatsache, dass oft zu Unrecht den Banken zuwenig Kompetenz zugemutet wird. Diese Betrüger wären eigentlich brotlos, wenn ihre präsumtiven Opfer in Geldangelegenheiten ausschließlich in Banken in Anspruch nehmen würden. Die internationalen Finanzbetrüger agieren arbeitsteilig in geschäftsähnlichen Strukturen. Dies ist ein Wesensmerkmal der organisierten Kriminalität (continuing criminal enterprise). Die Täter sind derart organisiert, dass sich der einzelne, wenn er festgenommen wird, meist mit Erfolg auf seine Gutgläubigkeit berufen kann. Die weiteren Ermittlungen stoßen im internationalen Justizielen Rechtshilfesystem auf fast unüberwindliche Schwierigkeiten: verschiedene Rechtssysteme, Bankgeheimnis, mangelnde Kooperationsbereitschaft und Kompetenz. Der Grund dafür, dass Polizei und Justiz oft zuwenig Überblick über das kriminelle Geschehen haben, liegt nicht zuletzt in der mangelnden Anzeigebereitschaft der Geschädigten. Leider wird der Betrug, obwohl er in fast allen Staaten von Amts wegen zu verfolgen wäre, de facto als Antragsdelikt angesehen, d. h. von einer formellen Strafanzeige abhängig gemacht. Diese Tatsache führt dazu, dass Polizei und Staatsanwaltschaft oft lange Zeit untätig bleiben. Aufgrund der geschilderten Schwierigkeiten ergibt sich die Konsequenz, dass die Bekämpfung des Finanzbetruges in erster Linie präventiv erfolgen muss. Diese Aufgabe kann jedoch nur eine zentrale und spezialisierte Polizeidienststelle erfüllen. Schon im eigenen Interesse wäre dem Bankenbereich eine Verbesserung der präventiven Maßnahmen anzuraten. Zum Unterschied von Japan und den USA herrscht in Europa noch immer die Meinung vor, dass Verluste durch Betrug unvermeidlich sind und dass der Staat für den Schutz sorgt. In diesem Zusammenhang wird festgestellt, dass die effektivste und zugleich kostengünstigste Art der Prävention die INTELLIGENCE (planmäßiges langfristiges Sammeln von Informationen, deren Auswertung und Analyse) bei europäischen Großunternehmen nahezu völlig unbekannt ist. Die zumindest teilweise Wiederbeschaffung des durch Finanzbetrug verloren gegangenen Geldes ist nicht so aussichtslos, wie viele Leute glauben. Auf alle Fälle muss der Geschädigte rasch reagieren. Strikt abgeraten wird davon, selbst Polizei zu spielen bzw. mit den Tätern zu verhandeln. Die in vielen Fällen erfolgreiche Strategie zur zumindest teilweisen Wiedererlangung des verlorenen Geldes wird hier aus einsichtigen Gründen nicht behandelt. Es muss darauf hingewiesen werden, dass unmittelbar nach Bekannt werden des Verlustes konsequente Veranlassungen zu treffen sind. Nur so besteht die reelle Chance, dass man z. B. im Wege des Kontenarrestes den Schaden eindämmen kann. In derartigen Fällen würde sich ein Team, bestehend aus Rechtsanwalt, Polizei und Wirtschaftsdetektiv, bewähren. Tatsache ist, dass es auf diesem Gebiet nur wenige kompetente Anwälte gibt. Wirtschaftsdetekteien sind eine Domäne der Amerikaner und Briten, von denen es zudem maximal vier angesehene, weltweit agierende Unternehmen gibt.