Die Briefkastenbanken

Stilleben

Die Briefkastenfirmen

Weltweit sind in den meisten Ländern die Gründung und das Betreiben einer Bank aus einsichtigen Gründen an strenge Auflagen gebunden. Seit den siebziger Jahren sind in verschiedenen Karibikstaaten, z. B. Montserrat, die Gründungen von Banken mit eingeschränkter Lizenz (nur für die Offshore-Geschäfte) möglich. Mehrere Firmen in den USA befassten sich mit der Gründung dieser „Private Offshore Banks“. Die Gründungskosten beliefen sich um USD 10.000,00; Gründungskapital war keines gefordert. Die Eintragung im Handelsregister erfolgte im Korrespondenzwege. Entsprechende Strohmänner für die Funktion des Präsidenten, Vizepräsidenten, Schatzmeister etc. wurden zur Verfügung gestellt. Der wahre Eigentümer der „Bank“ blieb in den meisten Fällen im Verborgenen. Aufgrund zahlreicher Fälle von Finanzbetrug wurden zu Beginn der neunziger Jahre zahlreiche Karibikbanken amtlicherseits aufgelöst. Z. B. verlautbarte der Finanzsekretär von Montserrat am 7. März 1991 die Löschung von mehr als 300 Lizenzen. Diese behördlichen Maßnahmen hinderten in einigen Fällen die Finanzbetrüger nicht daran, wertlose Papiere wie Bankschecks, Certificates of Deposit, Akkreditive etc. dieser Phantombanken zu vertreiben. Beispielsweise versuchten internationale Betrüger im Jahre 1993, mehrere Banken in Europa mit wertlosen Bankschecks der North American International Bank Ltd. zu betrügen. Die Täter unternahmen den Versuch, diese auf Beträge von USD 250.000,00 bis USD 400.000,00 lautenden Schecks gutschreiben zu lassen. Seit ca. 10 Jahren zieht es die Finanzbetrüger magisch zu den Banken-Gründungsparadiesen wie Nauru, Vanuatu Western Samoa oder Tonga (Inselstaaten im Pazifik). Dort werden zwar für die Gründung einer Bank formale Erfordernisse verlangt, doch die Praxis zeigt, dass weder ein haftendes Kapital noch eine ernstzunehmende Bankenaufsicht existieren. Über die fachliche Kompetenz und die charakterlichen Voraussetzungen der Direktoren werden keine ausreichenden Erkundigungen eingeholt. Eine US-Studie über Kapitalanlagebetrug aus dem Jahre 1991 verwendet für diese Art von Bankenpolitik den Ausdruck „prostitute banking“. Die Gründungskosten einer Bank in dieser exotischen Inselwelt betragen ca. USD 40.000,00 Auf Wunsch werden sogar nach der erfolgreichen Gründung frisch gedrucktes Briefpapier, Promissory Notes (Eigenwechsel), Depositenzertifikate (Certificates of Deposit), Akkreditive (Letter of Credit) von der Örtlichen Agentur mitgeliefert. Viele dieser Phantombanken sind nachweislich in Finanzkriminalität verwickelt. Die amerikanische Bankenaufsichtsbehörde (Controller of the Currency, Washington) veröffentlicht fallweise Warnlisten für Banken, in denen die weltweit agierenden Briefkastenbanken mit den aktuellen Büroadressen angeführt sind. Briefkastenbanken tragen üblicherweise hochtrabende Namen, wie Gulf International Bank Ltd., Republic International Bank Ltd., Gibraltar Overseas Bank Ltd. Bewusst führen diese „Banken“ Namensteile, die zur Verwechslung mit bekannten Banken führen. Der Bankier Rothschild war aus diesem Grund sogar gezwungen, am 12. Dezember 1993 in der „Neuen Züricher Zeitung“ eine Erklärung zu veröffentlichen, in der er sich von folgenden Firmen vehement distanzierte:

1.
Rothschild Bank Ltd., Angilla (Karibik),
2.
Rothschild Fund, British Virgin Islands (Karibik),

3

Rothschild inc., Delaware (USA).

In dem Land, die Briefkastenbank eingetragen ist, existiert natürlich kein Bürobetrieb. Dort wird nur die eingehende Post von einer örtlichen Agentur bestimmungsgemäß nach Kanada, USA, Deutschland etc. weitergeleitet. In diesen Ländern agieren dann die so genannten „Repräsentationsbüros“ (representative office). Die Leiter dieser Büros beteuern natürlich gegenüber den Behörden, dass sie keinerlei Bankgeschäfte tätigen, sondern lediglich beraten. Die Phantombanken bieten verschiedene Bankgeschäfte an, z. B. Certificates of Deposit (Depositenzertifikate) mit unüblich hohen Zinsen. Kapitalanleger, die diese Depositenzertifikate vor Ablauf der Laufzeit verkaufen oder beleihen wollen, erleben böse Überraschungen. Ebenso ergeht es Anlegern, die nach Ende der Laufzeit diese Papiere bei der ausstellenden Briefkastenbank einlösen wollen. Außerdem werden von diesen “Banken“ Sparkonten mit marktunüblichen hohen Zinsen angeboten. In den Werbeprospekten der Briefkastenbanken werden die hohen Zinsen mit dem geringen Verwaltungsaufwand und dem Wegfall aller Steuern und Abgaben gerechtfertigt. In der Vergangenheit erschienen immer wieder in der „International Herald Tribune“ und anderen international erscheinenden Tageszeitungen Anzeigen von Phantombanken. Die Briefkastenbanken bieten außerdem Kredite zu völlig illusorischen Bedingungen an. So werden keine Sicherheiten gefordert, das Kapital muss angeblich nicht zurückgezahlt werden, die extrem niedrigen Zinsen sind jährlich im Nachhinein fällig. Die Finanzbetrüger haben es natürlich auf die Vorausleistungen in Form von Spesen, Gebühren, Kautionen etc., abgesehen. Weiterhin bieten die Phantombanken Akkreditive und Bankgarantien in jeder Form an. Wenn es um Geldtransfer bzw. Gutschriften von Schecks geht, sind die Briefkastenbanken auf die Dienste regulärer Banken angewiesen. Der Zahlungsverkehr wird über die Konten von Briefkastenbanken, Briefkastenfirmen oder Privatpersonen abgewickelt. Abzugrenzen von den Briefkastenbanken sind die reinen Phantasiebanken: Es handelt sich um fiktive Banken, die weder als Firma noch als Bank eingetragen sind. Insbesondere nigerianische Finanzbetrüger operieren gerne mit „Bankschecks“ von Phantasiebanken, wie „Fidelity International Bank“, „International Lloyds Bank“ – letztere mit dem Firmenlogo der echten Lloyds Bank in London. In Verbindung mit Warenbestellungen aus Nigeria werden diese „Bankschecks“ beigelegt. Manche Betrüger sind sogar so unverfroren, dass sie diese „Phantasieschecks“ zur Bezahlung des Kaufpreises von Immobilien verwenden. Bei dieser Gelegenheit versuchen sie die Differenz zwischen Kaufpreis und Scheckvaluta in bar zu kassieren. Nigerianische Betrüger sind auch dafür bekannt, dass sie gefälschte Bankschecks bekannter internationaler Banken verwenden. Die Fälschungen erkennt man insbesondere daran, dass die auf dem Scheck erscheinende Filiale überhaupt nicht existent ist. Des Weiteren sind von den Briefkastenbanken gewisse reguläre Banken in einigen ehemaligen kommunistischen Ländern abzugrenzen. Hier gelingt es immer wieder internationalen Betrügerorganisationen, hohe Funktionsträger einer solchen Bank zu überreden, zwecks Besicherung eines zugesagten Kredites aus dem Westen, Bankgarantien lautend auf Beträge von 10-50 Millionen USD auszustellen. Der versprochene Kredit wird nie realisiert. Dafür tauchen diese Papiere weltweit bei einschlägig bekannten Vermittlern auf, die diese „Garantien“ an private Investoren oder Kreditsuchende als „Sicherheiten“, mit entsprechendem Abschlag (z. B. 20%), anbieten. In den Kreisen der Finanzbetrüger wird der Lieferant von wertlosen Garantien als „collateral Provider“ bezeichnet. Eine Großbank in Georgien stellte z. B. vor Monaten 259 Promissory Notes zu je 14 Millionen USD Nennwert aus. Es ist fraglich, ob man sich in betreffenden Banken der Konsequenz dieses Tuns überhaupt bewusst war. Eine ähnliche Rolle scheinen eine Großbank in Madagaskar und eine Großbank in Tatschikistan zu spielen. Vor Jahren waren wertlose Garantien einer indonesischen und einer haitianischen Bank im Umlauf. Diese Banken lehnten jedoch die Einlösung der Schuldpapiere mit dem Hinweis ab, dass diese von nicht hierzu autorisierten Personen ausgestellt worden seien. Ein ähnlicher Skandal spielte sich im Jahre 1993 in Prag ab. Ein Direktor der Banka Bohemia A. S. stellte auf Anraten ausländischer Finanzbetrüger Bankgarantien für Summen aus, die das haftende Kapital dieses Geldinstitutes bei weitem überschritten haben.

Die betreffende Bank in Prag wurde inzwischen unter Aufsicht gestellt und anschließend von der Behörde geschlossen. Es war der erste Bankenskandal in der Geschichte der Prager Banken überhaupt. Eine größere Gruppe einschlägig bekannter Personen aus der Schweiz, den USA und Deutschland sorgte für die Vermarktung der Papiere. Sogar in Bangkok wurden diese Bankgarantien zu einem Diskontpreis von 10% angeboten. Jedenfalls erlitt ein Investor in den USA dadurch einen Millionenschaden. Möglicherweise trieben die Finanzbetrüger mit den Banken ihr altbewährtes Spiel: sie versprechen riesige Kredite, verlangen jedoch als Vorausleistung von der betreffenden Bank ausgestellte Schuldpapiere. Diese Papiere werden von den „Internationalen“ nicht, wie vereinbart, als Sicherheiten hinterlegt, sondern gegen hohen Abschlag verkauft. Die in Aussicht gestellten Kredite werden nie realisiert. Übrigens fallen diesem Finanztrick auch immer wieder Unternehmer zum Opfer, die als Vorausleistung für einen versprochenen Kredit Schecks oder Wechsel hinterlegen. Abzugrenzen von den Briefkasten-und Phantasiebanken sind Briefkastenfirmen, die in ihrem Firmenwortlaut Wörter, wie „Bank“, „Banque“, „Banco“, “Banka“, „Bancorp“, „Bancor“, etc. tragen. Oft erscheinen diese Wörter in einem Phantasiebegriff wie „Unibanique“, „Unibank“ etc. auf. Die Eintragung eines derartig irreführenden Firmenwortlautes erfolgt nicht nur in exotischen Ländern. Auch in Europa sind Fälle bekannt, dass aufgrund einer Unachtsamkeit bei der Registrierung derartige Eintragungen in das Handelsregister erfolgten. Das Finanzministerium des Karibikstaates Grenada erließ am 5. September 1991 eine Warnmitteilung vor 52 eingetragenen Briefkastenfirmen mit der Bezeichnung „Bank“, die über keinerlei Banklizensen verfügten. Seit 1995 treten in Europa Pseudobanken in Erscheinung, die auf eine Gründung in einem Phantasiestaat (bestehend aus einem Felsenriff im Pazifik) zurückzuführen sind. Im Übrigen stellt dieser so genannte „Staat“ auch Diplomatenpässe aus.